• Zweites Zuhause zimmern

Zweites Zuhause zimmern

28.07.2021

Gartenhäuser können weit mehr sein als ein Abstellschuppen für Arbeitsgeräte und werten die Grünfläche auf. Bei der Montage gilt es jedoch, einige Tücken zu beachten.

Was Gartenhäuschen angeht, hat Kurt Nyfeler schon die verrücktesten Sachen gesehen: «Einmal haben wir ein Häuschen gebaut, um Tischtennis darin zu spielen. Das Spezielle daran: Aufgerichtet haben wir es auf dem begrünten Flachdach des Kunden», erzählt der Inhaber des Holzbauzenters in Bonau. Seit rund 25 Jahren verkauft er dort fertige Gartenhäuschen, hilft mit seinen Zimmerleuten bei der Montage und der fachgerechten Platzierung im Garten. Auch Renovationen oder Ausbauten von bestehenden Gartenhäuschen nimmt sein Team vor. Im Hochregallager stapeln sich hierfür die verschiedensten Hölzer. Der Ausstellungsbereich bietet zudem vom gediegenen Klubhäuschen in Blockhausmanier bis zum kompakten Geräteschuppen allerlei Ideen für ein weiteres Stück Freiheit im trauten Garten.

Qualität macht sich bezahlt

Die Fantasie der Gartenbesitzer wächst dabei im Einklang mit den Pflanzen im Garten: Grillhütten, ostfriesisch angehauchte Architektur oder sechseckig verglaste Pavillons hat Nyfeler schon realisiert. Obwohl praktisch alles möglich ist, muss der gelernte Zimmermann die Wünsche manchmal erden. Gerade grössere und massgeschneiderte Bauten können schnell ins Geld gehen. Kleinere Häuschen oder einfache Schuppen sind hingegen zuhauf als Standardmodelle auf dem Markt erhältlich. Nach Nyfelers Erfahrung lohnt es sich jedoch, bei der Anschaffung eines Gartenhäuschens anfangs ein wenig mehr Geld in die Hand zu nehmen, als auf den ersten Blick notwendig. Genaues Hinschauen bei den Angeboten und Erfahrungsberichte beizuziehen mache sich bezahlt. Gerade bei allzu günstigen Offerten sehen die aufgestellten Bauten in der Realität selten so aus wie im Prospekt. Nyfelers Daumenregel: Von je weiter weg die Ware bestellt wird, desto eher treten Mängel auf. Ein aus China georderter Holzbau hat mit dem Bild aus dem Prospekt meistens nicht mehr viel gemeinsam. Wer die Möglichkeit hat, das Modell im Vorfeld einmal bei einem Händler in Augenschein zu nehmen, ist gut beraten.

Der Untergrund zählt

Zudem leidet neben der Ästhetik oft auch die Qualität. Windschiefe Wände oder Türen und Fenster, die nach ein paar Monaten klemmen, sind die Folgen. Im Nachhinein können jedoch auch günstige Bauten mit Querstreben nachgebessert werden. Bei Baumhäusern ist von Anfang an Vorsicht geboten. Gerade wenn Kinder und Jugendliche darin spielen, müssen die Seitenwände stabil ineinander halten. Sonst droht beim Toben ein Sturz aus der Höhe. Neben der ursprünglichen Material- und Fertigungsqualität wird Nyfeler oft zur Reparatur gerufen, weil die anfängliche Montage unsauber durchgeführt wurde. Gerade Boden- oder Deckenabschlüsse verlangen Erfahrung. Die Unterkonstruktion ist ausschlaggebend für die Langlebigkeit: Der Untergrund muss absolut eben sein und Wasser abfliessen können. «Am besten schafft man mit einer Gartenplatte eine Unterlüftung», so Nyfeler. Auch Kies eignet sich gut als Untergrund. Oft bekommt er zu hören, dass imprägnierte Bretter komplett vor Nässe schützen. «Ein Trugschluss: Gerade weil das Wasser nirgends abfliessen kann, staut es sich und der Fäulnisprozess beginnt.»

Nordische Hölzer im Vorteil

Ist ein Häuschen jedoch einmal fachgerecht montiert worden, steht dieses oft jahrzehntelang ohne Probleme. Bei der Wahl der Materialien schlägt Nyfelers Herz natürlich für Holz, obwohl er durchwegs auch Häuschen aus Stein, Metall oder Kunststoff verbaut. Normalerweise plädiert er bei seinen Arbeiten für Schweizer Holz. Bei einem Gartenhäuschen empfiehlt er für einmal jedoch nordische Hölzer. «Diese sind viel feinadriger in der Struktur und bilden eine schöne Fassade.» Eine scherzhafte Warnung gibt Nyfeler noch mit auf den Weg für alle angehenden Gartenhausbesitzer: «Je mehr Abstellmöglichkeiten man hat, desto mehr Utensilien für den Garten schafft man sich an.»

Emil Keller

 

Baubewilligung nicht immer nötig

Seit gut fünf Jahren sind im Thurgau kleine Gerätehäuschen von der Baubewilligungspflicht

befreit. Die Grundfläche darf dabei nicht grösser als neun Quadratmeter sein. Zudem darf das Häuschen die Höhe von 2,25 Meter nicht übersteigen. Aber Achtung: Der Mindestabstand von drei Metern zum Nachbarschaftsgrundstück muss weiterhin eingehalten sein. Sonst muss beim Anstösser ein Nahbaurecht eingeholt werden.